Kosmos und Realität der Technologien

Eins der in der letzten Zeit in den Medien am meisten behandelten Themen waren künstliche Intelligenz, Roboter und deren Integration in den Alltag. Schuld daran war der Humanoid Sophia, der kürzlich zu Besuch in Litauen war und das Gespräch darauf brachte. Aber sind Roboter tatsächlich unsere Zukunft? Der Leiter der Abteilung Produkte bei ACME Europe Ignas Rumbutis, der erst kürzlich von der Elektronikmesse für Verbraucher CES zurückgekehrt ist, gibt Einblick in seine Einsichten zu den neuesten technologischen Tendenzen: „Kosmos“ und Realität.

Ab sofort werden Sie im Restaurant von einem Roboter bedient?

„Im Vergleich zum letzten Jahr, gibt es mehr Aufmerksamkeit für die Robotik“, meint Rumbutis. „Es wird erwartet, dass Roboter teilweise die Arbeit der Menschen verändern werden und sich in den Bereichen Medizin, Bedienung, Logistik etablieren werden. So ist es wahrscheinlich, dass eines Tages, die Bestellung von einer Tasse Kaffee von einem Roboter aufgenommen wird“, erzählt der Fachmann. Er fügte hinzu, dass es unklar ist, wann genau dieser Wandel eintreten wird. Es gibt keine definierten Preise, die Vertriebskanäle und die Haltung der Verbraucher sind unklar. Rumbutis zufolge, sei das Interesse an den Bereichen B2B und B2C aber spürbar.

Auf besonders starkes Interesse treffen künstliche Intelligenz und sprachgesteuerte Geräte. „Man kann behaupten, dass fast die Hälfte der Ausstellung sich in irgendeiner Weise mit sprachgesteuerten Systemen befasste. Am meisten betraf das Alexa und dazu kompatible Geräte. Obwohl es sich nicht um eine Neuigkeit dieses Jahres handelt, ist das System nur in Amerika und im Vereinigten Königreich populär. Alexa wird in den USA von etwa 35 Millionen Menschen verwendet, also etwa von 10% der Gesamtbevölkerung. Die Einführung auf den deutschen und die skandinavischen Märkte läuft, aber ziemlich langsam“, so die Erkenntnis des Experten. Rumbutis weist darauf hin, dass die Stimmsteuerungen der Konkurrenz auch nicht schlafen und sich aggressiv auf den Markt drängen, etwa Google. „Das Potenzial dieser Systeme wird auch von den meisten Herstellern gesehen, sodass sie es gerne in ihre Geräte integrieren. Wobei es unwichtig ist, ob das nun Kopfhörer oder ein Kühlschrank sind“, sagte der Leiter der Produktabteilung von ACME Europe.

Abschied für Drähte

„Eine der vordringlichsten und jetzt auf der Hand liegenden, technologischen Innovationen ist das kabellose Aufladen von Geräten. Die Nachfrage nach solchen Geräten entstand als der große Smartphonehersteller Apple Geräte einführte, die diese Technologie unterstützen“, meint Rumbutis. „Nach Angaben von einem Treffen mit Vertretern des Verbands Wireless Power Consortium ist eine deutliche Tendenz zu erkennen, das die Nachfrage nach kabellosen Ladegeräten weiterhin wächst, denn auch andere Smartphonehersteller, wie z.B. Xiaomi, Sony, Huawei, ZTE haben Pläne zur Einführung neuer Modelle, die kabellos aufgeladen werden können, 2018“, führt der Experte aus. Er ergänzte, dass diese Technologie sowohl für den Endkunden als auch Geschäftskunden von Interesse ist. Im B2B-Sektor sind drahtlose Ladegeräte für Hotels, Restaurants und der Automobilbranche relevant.

Seiner Ansicht nach, wird der Markt für echte kabellose Audiogeräte (TWS) erheblich wachsen. „Diese Art der Kopfhörer ist keine diesjährige Neuigkeit, aber jetzt sind sie für die Verbraucher erschwinglich, weil die Kosten von Produktion und Technologie gesunken sind. TWS-Kopfhörer lösen eine Vielzahl von Problemen der Verbraucher, sie sind komfortabel, tragbar, haben eine hohe Lebensdauer der Batterien und es gibt keine Kabel mehr. Sie sind daher sehr beliebt und werden gerne gekauft. Das geplante Umsatzwachstum dieser Kopfhörer liegt bei 100% in Europa und 82% in Amerika. So ist es nicht verwunderlich, dass die berühmtesten Kopfhörerhersteller nicht nur ein Gerät davon im Angebot haben, sondern eine ganze Palette an TWS. Das von uns vertretene Markenzeichen Jabra hat 3 TWS-Kopfhörer, wir selbst planen das Angebot von ACME um 2 neue TWS-Modelle zu ergänzen“, nennt Rumbutis einige Zahlen.

Gestern eine Neuheit, heute massenhaft genutzt

„Sehr oft ist es der Fall, dass auf Messen Neuigkeiten vorgestellt werden, die sich dann aber nicht bis zum Massenkonsum durchsetzen. Es passiert aber auch das Gegenteil. So galten einst IP-Kameras (zur Überwachung) als bizarre Erfindung, doch die sind nun in jedem zweiten Haus zu finden. Die Umsätze hierbei wachsen, und eine gute Kamera kann man derzeit für weniger als 50 Euro kaufen“, so der Experte.

„Ähnlich lief das auch bei den Smart-Armbändern. Die Technologie wird verbessert, die Kosten für die Produktion sinken und die Geräte werden für jedermann zugänglich. Und deren Wert und Nutzen sind jedem klar. Eine interessante Entwicklung sind die Hybrid-Uhren. Immer beliebter werden Uhren im klassischen Design aber mit integrierten smarten Funktionen“, sagte Rumbutis. Obwohl die Smartarmbänder den Peak in der Popularität schon vor mehr als einem Jahr hatten, wird für diese Warengruppen ein Wachstum von 50-60% in den nächsten 2 bis 3 Jahren prognostiziert.

Die großen Marktteilnehmer verdrängen die kleinen

Ignas Rumbutis weist darauf hin, dass bei der Messe kaum Markenzeichen vertreten waren, die erst entstanden sind und die noch keine Geschichte haben. Die großen Marktteilnehmer verdrängen die kleineren, da sei eine viel breitere Produktpalette haben. „Hersteller und Marke DJI bieten inzwischen viel mehr als nur Drohnen, die einst die ersten Produkte waren. Man kann jetzt Kameras, entwickelt speziell für Drohnen, Stabilisatoren für Kameras und ähnliche Produkte kaufen“, nennt Rumbutis ein Beispiel. Der Hersteller DJI hat mit seinen Drohnen einen anderen Riesen vom Markt gedrängt: GoPro musste seinen Drohnenbereich schließen, nachdem die Drohnen nicht aus dem Nest gekommen sind“, witzelt der Fachmann.

Die virtuelle Realität wartet immer noch auf den Durchbruch

Obwohl 2017 kühn als das Jahr der virtuellen Realität ausgerufen worden war, gab es den Durchbruch in Richtung Massenkonsum noch nicht. „Die Technik der virtuellen Realität an sich ist wirklich gut, qualitativ hochwertig und dicht wie nie vorher an der Realität. Auch Inhalte gibt es immer mehr. Die Vertriebskanäle und die Zielgruppe sind klar. Allerdings ist der Preis zu hoch. Die VR-System sind einfach noch zu teuer für die Massennutzung, bei Preisen von 300 bis 400 Euro“, lässt der Leiter der Produktabteilung von ACME Europe an seinen Eindrücken teilhaben.

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