Gesetzliche und Herstellergarantie – kennen Sie den Unterschied und Ihre Rechte?

Das neue Ladegerät lädt nicht, der Wasserkocher kocht nicht und der Kühlschrank weigert sich so kalt zu werden, wie man das erwarten würde … Kennen Sie diese Situation? Wenn dem so ist, dann haben Sie sicher auch schon die vollmundigen Versprechen der Händler erlebt „kaputt, funktionsuntüchtig, gefällt nicht – wird sofort getauscht, denn der Kunde hat immer Recht“. Doch ist es tatsächlich immer so leicht ein Produkt ungeeigneter Qualität oder das einfach nicht gefällt, zurückzugeben? Wir geben einen Überblick über Tendenzen bei der Garantie und Ihre Rechte und Ratschläge, wie man sich in den Feinheiten aus gesetzlicher und Herstellergarantie nicht verirrt.

Wodurch unterscheiden sich die gesetzliche Garantie und die Herstellergarantie?

Wenn Sie eine Ware kaufen, wird die gesetzliche Garantie gewährt. Das sieht sehr einfach aus. Doch vielen von uns wird es schon so ergangen sein, dass man für eine zusätzliche Zahlung eine Zusatzgarantie angeboten bekommt, mit längerer Dauer oder besseren Bedingungen, d. h. dass man eine Herstellergarantie erwirbt. Dabei wird allerdings oft verschwiegen, dass die gesetzliche und die Herstellergarantie nahezu identisch sind. Kennen sie die Unterschiede zwischen der gesetzlichen und der Herstellergarantie und Ihre Rechte, falls die Qualität einer erworbenen Ware nicht den Erwartungen entsprechen?

Beginnen wir damit, dass die gesetzliche Garantie sofort ab Erwerb des Produkts wirksam wird, während dies bei der Herstellergarantie anders sein kann. Denn diese kann, muss aber nicht, vom Verkäufer, Hersteller oder von Dritten angeboten werden und deren Beginn muss schriftlich vereinbart werden. Die gesetzliche Garantie wird immer vom Verkäufer gewährt, an den das kaputte Produkt denn auch zurückzugeben ist, wobei es keiner zusätzlichen Unterschriften bedarf.

Zudem unterscheidet sich die Geltungsdauer. Während die Herstellergarantie meistens zwischen 1 und 5 Jahren liegt, liegt die gesetzliche Garantie immer bei 2 Jahren. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Erwerb einer Herstellergarantie keinen Einfluss auf die Geltung der gesetzlichen Garantie hat. Wenn der von Ihnen gekauften Ware beispielsweise eine Herstellergarantie von 1 Jahr gewährt wird, so gilt die gesetzliche Garantie nach deren Ablauf noch ein weiteres Jahr.

Schließlich ist die gesetzliche Garantie immer kostenlos, während dies bei der Herstellergarantie auch anders sein kann. In Abhängigkeit von den Bedingungen können für eine Herstellergarantie auch mehrere zig Euro verlangt werden. Sowohl die gesetzliche als auch die Herstellergarantie erfordern zu ihrer Inanspruchnahme die Vorlage des Kaufbelegs oder einer Kopie hiervon.

Verallgemeinernd kann man sagen, dass die gesetzliche Garantie für alle Waren gilt. Wie in den Bestimmungen der Europäischen Union festgelegt ist, muss der Händler die Ware kostenlos reparieren, tauschen oder den Kaufpreis reduzieren oder das Geld zurückgeben, wenn diese Ware einen Mangel hatte oder nicht der Werbung entsprechend funktionierte. Zudem kann innerhalb von 14 Tagen ein gekauftes aber noch unbenutztes Produkt ohne Angabe von Gründen zurückgegeben werden, zum Beispiel nur deswegen, weil sie es sich jetzt anders überlegt haben. Natürlich gibt es auch Warengruppen, für die diese Regel nicht gilt, etwa für Konzerttickets oder ein speziell für Sie maßgefertigtes Kleidungsstück usw. Die Herstellergarantie gilt gemäß den Bedingungen der Garantie, die unterschrieben wird. Und die kann in jedem Fall anderes sein.

Mehr Informationen zur Herstellergarantie und zur gesetzlichen Garantie können Sie auf der offiziellen Seite der Europäischen Union finden (europa.eu).

Die Litauer kennen ihre Rechte nicht

Bei einer Untersuchung die Nielsen im vergangenen Jahr im Auftrag von ACME Europe durchführte wurden einige Nuancen erkennbar, wie die Verbraucher mit der Garantie für elektronische Geräte umgehen. „Bemerkenswert viele Verbraucher machen wegen kaputter Geräte keinen Gebrauch von der gewährten Garantie. Meistens geben die Käufer solche Geräte nicht zurück, weil sie den Kaufbeleg nicht mehr haben“, erläutert der Leiter der Abteilung Qualität bei ACME Europe Darius Serba. „Darüber hinaus erklärt nahezu ein Drittel der Befragten, dass sie nicht wissen, wie lange die Garantie gilt und ob sie überhaupt gilt“, fügt Serba hinzu. Auffällig ist auch, dass ein nicht geringer Teil der Befragten sagt, dass sie nicht wissen, wie man eine Ware überhaupt zurückgibt.

„Die Untersuchung hat zudem gezeigt, dass es häufiger junge Leute bis 20 sind, die gekaufte Sachen nicht zurückgeben. Und der Betrag ab dem die Litauer ernsthaft darüber nachdenken, mangelhafte Produkte zurückzugeben ist nicht eben bescheiden und liegt bei über 400 Euro“, erzählt der Experte.

Man kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass es in unserer Gesellschaft an Wissen zu der gewährten Garantie fehlt, zu den eigenen Rechten und wie man diese nutzt. Wie bereits erwähnt kann man weitere Informationen zur Garantie und deren Anwendung auf der offiziellen Seite der Europäischen Union finden.

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